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Die alte Molkerei Hoinkhausen

Nun ist es schon viele Jahre her, dass die Molkerei Hoinkhausen ihre Pforten für immer schloss:
Am 30. Juni 1987 endete mit der Produktionseinstellung die Geschichte eines Betriebes, der das Dorfleben stets mitgeprägt hat, sorgte er doch für Lohn und Brot etlicher Einwohnerinnen und Einwohner. Zwar behielt sich die Betriebsleitung im Rahmen eines Liefervertrages mit den Milchwerken Münsterland zunächst vor, die Arbeit noch einmal aufzunehmen, jedoch mit Beginn des Jahres 1991 war eine endgültige Schließung nicht mehr abzuwenden.

Trotz der hohen Qualität der Produkte wie Trinkmilch, Kakao, Buttermilch und Butter wurde eine Weiterführung des Molkereibetriebes immer unrentabler. Mit der geringer werdenden Anzahl an Milchviehhaltern ließ auch die Anlieferungsmenge stetig nach. Auch heute noch denken viele Hoinkhauserinnen und Hoinkhauser gerne an die Zeiten zurück, als so mancher mit Beutel oder Kanne am Arm in Richtung Dorfmitte zur Molkerei marschierte. Vor allem Speisequark und Schlagsahne fanden ihre Abnehmer.

Zahlreiche Auszeichnungen zeugten von der Hochwertigkeit der hergestellten Produktpalette. So erhielt der Hoinkhauser Betrieb zweimal in Folge den Wanderpreis für Butterqualität im Kursaal zu Bad Salzuflen ausgehändigt. Dieser bescheinigte, der „Beste Hersteller in Westfalen-Lippe“ zu sein. Von der Landwirtschaftskammer gab es viele weitere Preise für „hervorragende Produktqualität“. Robert Lübke, von 1965 bis 1990 letzter Geschäftsführer der Molkerei, erinnert sich, dass „einmal monatlich sämtliche Produkte nach Münster eingeschickt werden mussten.“ Dort wurden sie dann auf Geruch, Geschmack und Konsistenz getestet.

Bereits im Jahr 1894 wurde die Hoinkhauser Molkerei als Zweigstelle der Molkerei Geseke gegründet. Das Gebäude an der Wilhelm-Schröder-Straße entstand jedoch erst in den 1920er Jahren, 1931 wurde die Trennung der Molkereien Hoinkhausen und Geseke beschlossen, da der Umsatz des Hoinkhauser Betriebes stark zugenommen hatte. Erweitert wurde die Molkerei auf ihrem 3,1 Hektar großen Grundstück um eine Kartoffel-Großdämpfanlage (1951) und eine Wäscherei (1955). Aus insgesamt 13 Ortschaften brachten die Milchbauern ihre Erträge nach Hoinkhausen. So konnte in Spitzenzeiten eine Jahresanlieferung bei 8,2 Millionen Litern Milch liegen. Doch nicht nur die Hoinkhauser Kinder tranken genüsslich – oft schon direkt im Garten der Molkerei – ihre Milch. Vielmehr erfreuten sich auch die Kinder und Jugendlichen an den Schulen und Kindergärten in der Umgebung an den Erzeugnissen des Betriebes.

Als die Molkereigenossenschaft Hoinkhausen am 1. Januar 1991 mit den Milchwerken Bergisch-Land in Wuppertal fusionierte, endete auch ein Kapitel Hoinkhauser Geschichte. Als letzte selbstständige Molkerei im Altkreis Lippstadt schlossen sich die Tore der zuletzt als Fünf-Mann-Betrieb laufenden Molkerei.

Viele Jahre stand das genossenschaftliche Gebäude leer, unterbrochen von kurzzeitigen Vermietungen an diverse Kleinunternehmen, wie z.B. eine Chemiefirma oder ein italienisches Lebensmittelunternehmen, das die ehemalige Molkerei als Lagerstätte nutzte. Im Jahr 2002 sollte das Gebäude dann erstmals zwangsversteigert werden. Das Mindestgebot wurde damals auf 147.600 Euro festgesetzt. Da sich zu diesem Preis jedoch kein Bieter fand, scheiterten innerhalb von drei Jahren gleich vier Versteigerungstermine am Amtsgericht in Warstein, was sicherlich vor allem dem baufälligen Zustand des Gebäudes geschuldet war. Nach weiteren vergeblichen Versteigerungsterminen dauerte es letztlich bis Mai 2006 ehe sich ein Käufer für das Objekt fand. Und so zog in das altehrwürdige Molkereigebäude eine Jugendhilfeeinrichtung ein. Diese war dort bis Sommer 2023 untergebracht. Seither steht das Gebäude leider wieder leer.

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